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Foto: Priscilla Du Preez 🇨🇦 / Unsplash

Führung

Wage es, in den Schuhen deiner Kollegen zu stehen: Die Kraft der emotionalen Intelligenz

Strategische Entscheidungen sind wertlos ohne ein Fundament aus tiefem menschlichem Vertrauen. Entdecke, wie du mit emotionaler Intelligenz eine High-Trust-Organisation aufbaust.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich vor einigen Jahren mit dem Direktor eines sehr erfolgreichen und beliebten Krankenhauses in der Schweiz sprach. Er war ein Mann, der in der Lage war, messerscharfe, strategische Entscheidungen zu treffen. Das musste er auch, denn in ganz Europa steht das Gesundheitswesen seit Jahren unter starkem Druck. Wer nicht innovativ ist, wer nicht wagt, klare Entscheidungen zu treffen, bleibt schlichtweg auf der Strecke und verschwindit vom Markt.

Aber dieser Mann hatte neben seiner strategischen Schärfe ein ganz tiefes Grundprinzip, das er in allem, was er tat, lebte: "Vertrauen ist alles, und ohne Vertrauen ist alles nichts."

Natürlich ist das nur die eine Seite der Medaille. Du brauchst die harten, strategischen Entscheidungen genauso dringend wie die empathische, verbindende Führung. Sie sind Co-Essentials: Beide müssen gelebt werden, das eine kann niemals ohne das andere existieren. Genau wie ein Vogel zwei Flügel braucht, um fliegen zu können – mit nur einem Flügel flattert er im Kreis und stürzt ab.

Gerne nehme ich dich mit auf eine kleine Reise durch die dritte Kompetenz dessen, was wir bei xpand Cutting Edge Leadership nennen: emotionale Intelligenz.

Wenn wir über emotionale Intelligenz für Führungskräfte sprechen, dann meinen wir kein vages, esoterisches Konzept. Wir definieren es sehr konkret:

Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, bedeutungsvolle Beziehungen aufzubauen, gegenseitiges Vertrauen zu schaffen und ein Umfeld zu gestalten, in dem sich Menschen sicher genug fühlen, um ehrlich zu sein, Risiken einzugehen und gemeinsam zu lernen – quer über die Grenzen von Hierarchie und Kultur hinweg.

Beziehungsintelligenz ist die unverzichtbare Infrastruktur für kollektive Leistung. Lass uns diese Kompetenz in drei sehr konkrete, handhabbare Fähigkeiten unterteilen.

1. Eine Kultur des Vertrauens aufbauen

Auf meiner eigenen Führungsreise in den letzten vierzig Jahren war dies immer ein Hauptthema. Und ich merke es auch heute noch jeden Tag an mir selbst: Es beginnt immer mit einem gesunden Selbstvertrauen als Führungskraft. Wenn du dich selbst nicht akzeptierst, mit all deinen Stärken und Schwächen, wie kannst du dann einem anderen den Raum geben, sich zu entwickeln?

Als Führungskraft bist du ein Architekt der Kultur. Du beeinflusst die Atmosphäre auf drei Ebenen: zu 10 % durch das, was du sagst, zu 30 % durch das, was du tust, aber zu sage und schreibe 60 % durch das, wer du bist. Wenn kein Vertrauen da ist, schließen sich die Filter deiner Mitarbeiter. Die bekannte Harvard-Professorin Frances Frei erinnert uns daran, dass Vertrauen auf drei Säulen ruht: Authentizität, Empathie und Logik. Wenn eine dieser Säulen wackelt, bricht die Brücke des Vertrauens zusammen.

Wenn die Empathie fehlt, fühlen sich die Menschen wie eine Nummer. Wenn die Logik fehlt, verstehen sie die Richtung nicht. Und wenn die Authentizität fehlt, spüren sie, dass du eine Rolle spielst. Aus einem gesunden Selbstvertrauen heraus darfst du aktiv in die Menschen um dich herum investieren. Nicht mit der Botschaft: „Ich vertraue dir, weil du gute Leistungen erbracht hast“ (das ist Kontrolle), sondern: „Ich vertraue dir etwas an, weil ich an deinen Charakter glaube.“

2. Teamfähigkeit: Die Kunst der Verbindung

Auch Teamfähigkeit beginnt bei dir selbst. Glaubst du wirklich an die Kraft und die Notwendigkeit von gesunden Teams? In unserer heutigen, komplexen „VUCA-BANI“-Zeit ist es schlicht unmöglich, als Einzelgänger alle Antworten zu haben. Die Zeit des solistischen Anführers, des „Helden“, der alles im Alleingang löst, liegt weit hinter uns.

Erfolgreiche Organisationen sind in der Lage, sich immer wieder neu zu erfinden, weil sie mit engen Führungsteams arbeiten. Ein entscheidendes Element dabei ist die Fähigkeit zu echter Verbindung. Die bekannte Forscherin Brené Brown beschreibt Verbindung sehr treffend: Es ist die Erfahrung, gesehen, gehört und geschätzt zu werden, ohne verurteilt zu werden.

Wagst du es wirklich, in den Schuhen deiner Kollegen zu stehen? Wagst du es, ihre Perspektive zu verstehen, bevor du versuchst, dein eigenes Recht durchzusetzen? Erst wenn wir diese Verbindung bewusst suchen, legen wir das Fundament für ein sturmfestes Team.

3. Feedback- und Konfliktfähigkeit

Je stärker die Feedbackkultur in deiner Organisation verankert ist, desto schneller werden Konflikte angesprochen und gelöst. In einer gesunden Kultur dauert es nicht Monate, bis ein schwelender Konflikt auf den Tisch kommt, sondern wir lösen ihn idealerweise innerhalb von fünf Tagen.

Um dies zu erreichen, müssen wir einige sehr praktische Fähigkeiten trainieren:

  • Sicherheit schaffen: Ein Gespräch so eröffnen, dass der andere sich nicht sofort verteidigen muss.
  • Aktives Zuhören: Hören, was gesagt wird, aber ganz besonders auch darauf hören, was nicht gesagt wird.
  • Mutige Gespräche: Schwierige Dinge ansprechen mit einer seltenen Kombination aus Direktheit und tiefem Respekt.
  • Bescheidenheit: Es wagen, an der eigenen Meinung zu zweifeln und offen für Korrekturen durch andere zu sein.

Es ist ein Zeichen von emotionaler Intelligenz und Reife, wenn wir merken, wo wir andere verletzt oder verärgert haben. Manchmal trampeln wir so fröhlich durchs Leben, dass wir links und rechts Scherben hinterlassen, ohne es selbst zu merken. Erst wenn die Bombe platzt, erschrecken wir. Sei daher der Erste, der die Hand ausstreckt und die Beziehung wiederherstellt.

Wo fängst du heute an?

Das klingt vielleicht nach einer großen Aufgabe, aber wir müssen nicht perfekt sein. Es geht darum, in kleinen, stetigen Schritten zu wachsen. Die Reise von einem wackeligen Floß zu einem seetüchtigen Segelschiff passiert nicht an einem Tag.

Du kannst heute schon zwei Dinge tun, um deine emotionale Intelligenz zu stärken:

Erstens: Arbeite an deinem Selbstvertrauen. Treibe regelmäßig Sport oder mache Musik, alleine oder mit anderen. Das sind bewährte, körperliche Wege, um aus dem Kopf zu kommen und die eigene Urkraft zu spüren.

Zweitens: Baue einen Lebensstil der Dankbarkeit auf. Dankbare Menschen strahlen Ruhe und Vertrauen aus. Sie müssen sich nicht ständig beweisen und haben dadurch den Raum, dem anderen wirklich zuzuhören.

Lass mich dir diese Frage stellen, über die du heute in Ruhe nachdenken kannst: In welchem Bereich deines Teams entscheidest du dich derzeit unbewusst noch für Kontrolle statt Vertrauen, und was ist der erste kleine Schritt, den du tun kannst, um das loszulassen?

Ich wünsche dir eine wunderbare und inspirierende Reise auf diesem Weg.

Herzliche Grüße,

Paul Donders

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