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Person sits by a lake reflecting snow-capped mountains.

Foto: Rafael Peier / Unsplash

Führung

Wie wachse ich in Cutting Edge Leadership? Die Kunst der Selbstführung

Gesunde Führung erfordert die Vereinigung scheinbarer Gegensätze. Entdecke, wie du durch bewusste Selbstführung das Fundament für Führung auf Messers Schneide legst.

Wir leben in einer Zeit, in der der Wind aus unerwarteten Richtungen weht und die Karten fast täglich neu gemischt werden. Vielleicht kennst du das aus deiner eigenen Organisation: Du arbeitest einen Kurs für die kommenden Jahre aus, aber noch bevor die Tinte auf dem Strategieplan trocken ist, zwingt dich die Realität schon wieder zu Anpassungen. Ich merke das in meinem eigenen Leben und meiner Arbeit auch. Die Zeit, in der wir die Zukunft mit Excel-Tabellen und statischen Fünfjahresplänen berechnen konnten, liegt endgültig hinter uns.

Als Führungskraft stehst du heute in einem permanenten, strategischen Spannungsfeld. Wie führst du mit fester Hand, wenn sich der Boden unter deinen Füßen ständig bewegt? Es ist die Kunst, auf den Wellen zu reiten, anstatt von ihnen verschlungen zu werden.

Die Essenz von Cutting Edge Leadership

Um in dieser dynamischen Welt effektiv zu bleiben, brauchen wir einen Führungsstil, der auf Messers Schneide agiert. Bei xpand nennen wir das: Cutting Edge Leadership. Diese Führung ruht, wie ein stabiles Gebäude, auf zwei tragenden, komplementären Säulen, die sich gegenseitig im Gleichgewicht halten. Es sind zwei Co-Essentials, die wir niemals getrennt voneinander betrachten dürfen:

  1. Strategisch scharfes Durchsetzen (Competence): Das ist die klare, harte Seite. Sie erfordert Ergebnisorientierung, einen gesunden „Kill-Instinkt“ und die Fähigkeit, komplexe Situationen schnell zu durchdringen, um mutige Entscheidungen zu treffen. Kein langes Herumdrucksen, sondern der Mut, dort zu schneiden, wo es nötig ist.
  2. Empathisch verbindendes Führen (Character): Strategische Schärfe ohne Menschlichkeit wird kalt und destruktiv. Auf dieser Seite geht es darum, Menschen zu entwickeln, herauszufordern und mitzunehmen. Es ist dienende Führung, die auf ehrlicher Wertschätzung basiert.

In der Regel hat jede Führungskraft eine natürliche Vorliebe für einen dieser beiden Stile. Ich selbst bin zum Beispiel deutlich mehr motiviert, Menschen zu entwickeln und zu inspirieren. Ich träume gerne und entwerfe Konzepte, aber der härtere Fokus, strategisch scharfe Entscheidungen zu treffen, ist nicht mein natürlicher Vorzugsstil. Deshalb sorge ich immer dafür, dass Kollegen mich in diesem Bereich ergänzen.

Und doch ist es letztendlich auch meine persönliche Aufgabe, in beide Richtungen zu wachsen, um in den kommenden Jahren professionell führen zu können. Wir müssen beide Seiten in uns selbst entwickeln.

Das Fundament: Vier Dimensionen

Basierend auf unseren Erfahrungen aus der Begleitung von Tausenden von Führungskräften haben wir dieses Konzept in vier konkrete Kompetenzen übersetzt. Zwei davon sind nach innen gerichtet, zwei nach außen:

  • Nach innen gerichtet: Selbstführung & Systemisch-strategisches Design
  • Nach außen gerichtet: Relationelle Intelligenz & Inspirierende Führung

In diesem Artikel möchte ich dich auf eine kleine Reise zum allerersten, grundlegendsten Baustein mitnehmen: Selbstführung. Denn wer sich selbst nicht führen kann, kann auch keinen anderen anleiten. Gerade in einem turbulenten Umfeld ist es unerlässlich, dass du bewusst Zeit und Energie in deine eigene Professionalität und Gesundheit investierst.

Dies ruht auf drei unverzichtbaren Kernkompetenzen.

1. Selbstreflexion und selbstgesteuertes Lernen

Führungskräfte, die sich selbst nicht mehr reflektieren und sich weigern, weiterzulernen, gehen irgendwann unweigerlich an ihren eigenen blinden Flecken zugrunde. Wie genial oder erfolgreich du auch sein magst: Wer sich selbst nicht mehr führt, schaufelt sein eigenes Grab.

Die bekannte Denkerin Frances Frei erinnert uns daran, dass es bei Führung in erster Linie darum geht, die richtigen Bedingungen für andere zu schaffen – aber das beginnt mit einer tiefen Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.

„Nicht dort, wo du dir wünschst zu stehen, sondern dort, wo du heute tatsächlich stehst – das ist der Ausgangspunkt für jedes echte Wachstum.“

Ich selbst nehme mir daher bewusst einen Tag im Monat Zeit für Selbstreflexion. Ein Tag ohne die operative Hektik des Alltags. Ein Tag, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, zu lesen, zu schreiben und einfach Zeit mit mir selbst zu verbringen. Es hilft mir, das Rauschen herauszufiltern und wieder klar zu sehen, worauf es wirklich ankommt.

2. Resilienz und Energiebalance

Führen in einer dynamischen Welt ist Leistungssport. Wir nennen das bei xpand auch „Riding the Dragon“ (den Drachen reiten). Wenn du gegen den Drachen der Veränderung und des Stresses kämpfst, wirst du erschöpft sein. Aber wenn du lernst, den Drachen zu reiten, nutzt du seinen Aufwind und die Thermik, um dich über den Sturm zu erheben.

Spitzensportler arbeiten kontinuierlich an ihrer Resilienz und Gesundheit. Als Führungskraft solltest du das auch tun. Stelle dir selbst einmal diese drei Fragen:

  • Was gibt mir wirklich Energie?
  • Was raubt mir im Moment meine Energie?
  • Was sind meine persönlichen Energiequellen, an denen ich täglich, wöchentlich und monatlich auftanken kann?

Resilienz ist kein Zufall; sie ist das Ergebnis bewusster Entscheidungen für Bewegung, Schlaf, Ernährung und Stille.

3. Rhythmus und Lebensregeln

Wenn um dich herum alles ständig in Bewegung ist, brauchst du Anker für deine emotionale und mentale Gesundheit. Früher sprach man von der klassischen Dreieinigkeit: Ruhe, Reinheit und Regelmäßigkeit. In der modernen Führung übersetzen wir dies in bewusste Lebensregeln und Rituale.

Lebensregeln sind keine einengenden Gesetze, sondern vielmehr tragende Strukturen, die du selbst gestaltest, um in einem anspruchsvollen Leben gesund zu bleiben. Für mich persönlich sind das einige feste Rituale:

  • Der Morgen: Immer zwanzig Minuten frühstücken und lesen an einem ruhig gedeckten Tisch.
  • Der Abend: Vor dem Schlafengehen zwanzig Minuten mit meinem Hund Archie spazieren gehen, um den Tag loszulassen.
  • Die Nacht: Priorität für mindestens sieben bis acht Stunden Schlaf.
  • Die Beziehung: Zusammen mit meiner Frau Silvia viermal im Jahr in einen Kurzurlaub oder ein Erholungswochenende fahren.
  • Der Geist: Drei Bücher im Monat lesen für intellektuelle Nahrung, und einmal pro Woche Raum schaffen für spirituelle Impulse und inspirierende Begegnungen.

Meisterschaft wächst immer in kleinen, stetigen Schritten. Du musst nicht morgen gleich dein ganzes Leben umkrempeln, aber du kannst heute eine neue Gewohnheit annehmen.

Dein erster Schritt

Selbstführung ist das unsichtbare Fundament des Gebäudes, das wir Führung nennen. Ohne ein stabiles Fundament stürzt das Dach beim ersten Sturm früher oder später ein.

Ich möchte dich einladen, hier einmal ganz ruhig und ehrlich innezuhalten. Wo stehst du im Moment, wenn es um deine eigene Selbstführung geht? Was ist eine kleine, praktische Lebensregel, die du diese Woche einführen kannst, um deine Resilienz zu stärken?

Herzliche Grüße,

Paul Donders

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